100 Jahre      Mikrobiologische Vereinigung München e. V.     1907 - 2007
 




Einladung


zum

Festvortrag zum hundertjährigen Jubiläum der MVM

am Donnerstag, 29. November 2007 um 18.30 Uhr



im Museum Mensch und Natur

(im Seitenflügel des Nymphenburger Schlosses in München)




Professor Dr. Werner Nachtigall

Technische Biologie und Bionik
und die Mikrowelt



Der Vortrag erläutert an klassischen und neuen Beispielen, was Bionik ist. Bionisch arbeiten bedeutet, Gestaltungsmerkmale und funktionelle Lösungen der Natur untersuchen, um sie in die Welt der modernen Technik zu übertragen. Viele Anregungen bietet dabei die mikroskopische Welt kleiner und kleinster Lebewesen. Am Beispiel von Haftorganen von Wasserkäfern wird gezeigt, wie Beobachtungen aus dieser Kleinwelt zu technischen Entwicklungen führen können.




Das Museum Mensch und Natur kündigt unseren Festvortrag, den uns Professor Nachtigall halten wird, mit folgendem Text an:

Schwimmanzüge nach dem Haihautprinzip, Wandfarbe mit Lotuseffekt oder Klettverschlüsse an unserer Kleidung: Produkte, bei denen die Natur Vorbild war, haben schon lange unseren Alltag erobert. Doch dies sind nur die augenfälligsten Ergebnisse der bionischen Forschung, die nach technischen Anwendungen biologischer Prinzipien sucht. Geprägt wurde der Begriff "Bionik" (eine Wortzusammensetzung aus Biologie und Technik) 1960 von dem Amerikaner J. E. Steele auf einem Kongreß in Dayton/Ohio. Gemeint war damit sinngemäß ein "Lernen aus der Natur für die Technik". Der Begriff war neu, nicht aber die Verfahrensweise. Vom 16. Jahrhundert bis in unsere Zeit zieht sich eine Kette von Versuchen, gerade diesen Weg zu gehen. Selten haben diese Versuche zum direkten Erfolg geführt. Ein Kopieren der Natur, im Extremfall ein Nachbau im 1:1-Verhältnis, kann eben nicht funktionieren. Nimmt man die Natur dagegen zur Anregung für technologisch eigenständige Entwicklungen, so können sich erstaunliche Ergebnisse zeigen. Bionik ist deshalb nicht schlichtes Kopieren von Lösungen, die man in der Natur vorfindet sondern „Lernen von der Natur als Anregung für eigenständiges technologisches Gestalten".

Mit Professor Nachtigall wird einer der Begründer und bekanntesten Vertreter dieser Wissenschaftsdisziplin in Deutschland darüber berichten, wie bionische Forschung Erkenntnisse über biologische Konstruktionen, Verfahrensweisen und Evolutionsprinzipien für den Menschen nutzbar macht.

Professor Nachtigall studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Biologie, Physik, Chemie und Geographie und wurde 1959 bei Werner Jacobs promoviert. 1966 habilitierte er über Flugbiophysik. Es folgte 1967 eine Gastprofessur an der University of California, Berkeley und 1969 erhielt er einen Ruf als Professor und Direktor des Zoologischen Instituts der Universität des Saarlandes. 1990 war er Mitbegründer der Gesellschaft für Technische Biologie und Bionik, bis 2003 ihr erster Vorsitzender. Nach seiner Emeritierung 2002 wurde er Leiter des Bionik-Kompetenznetzes BIOKON an der Universität des Saarlandes.



An dieser Stelle, sozusagen öffentlich, möchten wir, die Mitglieder der MVM, uns bei der Leitung und den Mitarbeitern des Münchner Museums Mensch und Natur bedanken - für das Interesse und die Aufmerksamkeit, die sie unseren Anliegen zu unserer Ausstellung und zum Festvortrag entgegengebracht haben, für die freundliche Zusammenarbeit und für ihre Hilfsbereitschaft.





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